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Und
die einen steh’n im Dunkeln
– und die andern steh’n im Licht
Willkommen
– Bienvenue – Welcome…
schallte es Ende Januar durch den kleinen Theatersaal
in der Schillerpromenade, dem Standort der Oberstufe
der Evangelischen Schule Neukölln. Einige Schülerinnen
und Schüler der 13. Klassen entführten,
unterstützt von Mitschülerinnen und Mitschülern
anderer Jahrgänge, ihr Publikum in die einerseits
so bunte und lebensfrohe, andererseits so widersprüchliche
und beängstigende Welt der 20er Jahre zu einer
ganz besonderen Revue.
Lange Zeit zur Vorbereitung gab es nicht. Ende Sommer
2010 ging Frau Malur ( LK Geschichte) und Frau Nareyek
(LK Deutsch) bei der gemeinsamen Planung für
die Abiturklasse ein Licht auf: Mit einem Projekt
20-er Jahre wollten sie die Schülerinnen und
Schüler für eine Revue zu diesem Thema begeistern.
Und es zog Kreise. Schnell fanden sich Mitstreiterinnen
und Mitstreiter im Kollegenkreis. Frau Gnaudschun
klinkte sich mit ihrem Musikkurs ein und übernahm
die musikalische Leitung, Frau Schick bereitete mit
ihrem Gymnastik/Tanz-Kurs einen Charleston vor und
Frau Struve erarbeitete mit ihren Kunstkursen im 9.
und 10. Jahrgang die überraschenden Masken und
das beeindruckende Bühnenbild.
Worum ging es bei der Auswahl der Texte und der Musik?
Es sollten das alltägliche Leben, die kleinen
und großen Probleme der Menschen nach dem Ersten
Weltkrieg ebenso beleuchtet werden wie die aufregenden
Jahre der letztlich nur relativen Stabilität,
die den 20er Jahren das Etikett „goldene“
einbrachten: Lebensfreude und Wandel der Geschlechterrollen
einerseits - das Erstarken der Rechten andererseits.
Frau
Nareyek
Die eigentliche Vorbereitung begann dann kurz vor
Weihnachten - als sich aus den vielen Möglichkeiten
allmählich das endgültige Programm herausschälte
und es ans Proben ging. Dass es gelang, in nur drei
Wochen Probenzeit nach den Weihnachtsferien ein solches
Spektakel auf die Bühne zu bringen, verlangte
schon große Disziplin und Spielfreude, die allen
Beteiligten anzumerken war. Kostüme, wie vor
allem die Charleston-Kleider, wurden liebevoll selbst
hergestellt, aus den Schränken von Eltern oder
Großeltern, vom Trödel oder Kostümverleih
besorgt, von Lehrern und Mitschülern entliehen,
sodass Knickerbocker, Frack und Zylinder, Schlabberkleider
und Schiebermützen für ein historisches
Ambiente sorgten.
Der Leistungskurs von Frau Malur übernahm die
historische Rahmenhandlung und erarbeitete für
den Schluss eine authentische Kabarettszene mit Werner
Finck und einem Studentenkabarett, die von SA-Schlägern
gestürmt wird. Der Kurs führte als Zeitungsjungen
durch die Revue, indem die jeweiligen Entwicklungen
in Form von Schlagzeilen verdichtet wurden und traute
sich – obwohl kein Musikkurs – auch an
gesungene Beurteilungen dieser Entwicklungen: Lieder,
die im Wesentlichen aus dem Film „Wir Wunderkinder“
stammen. Der Beginn der Schlussszene wurde vom Satiriker
Werner Doyé aus Originalzitaten des zeitgenössischen
Kabarettisten Werner Finck verfasst und vom Kurs ebenso
überzeugend in Szene gesetzt wie die Saalschlacht,
die den Schülern sogar ganz besonders am Herzen
lag.
Frau Nareyeks Kurs übernahm die Darstellung der
politischen und sozialen Gegensätze und –
zur Freude des Publikums – die Vorstellung bis
heute bekannter Highlights dieser Zeit. Gedichte von
Tucholsky, Ringelnatz, Klabund, Brecht und Rilke wurden
aufwändig szenisch umgesetzt. Frau Gnaudschun
studierte mit Unterstützung von Frau Herrberg
Chansons und Couplets von Claire Waldoff, Marlene
Dietrich, den Comedian Harmonists, Otto Reutter, Hugo
Wiener u.a. ein. Da bei den hervorragenden Frauenstimmen
der Schülerinnen sich die Männer zurückhielten,
bekamen sie Unterstützung von Herrn Benda mit
dem „Stempellied“ und Herrn Weiser mit
Otto Reutters „Nehm Se ´n Alten“.
Das Bühnenbild unterstrich durchgängig das
Hell-Dunkel der Texte, die bunten Masken das fröhliche
„Wochenend und Sonnenschein“ der Comedian
Harmonists. Besonders schön war es, Musikanten
des 7. Jahrgangs bei ihrem Xylophon-Spiel und in ihrem
persönlichen Einsatz für alle sonstigen
Abläufe zu beobachten: Wenn es nach ihnen geht,
wird es weiterhin solche Abende geben.
Nicht zuletzt verdanken wir das Gelingen des Abends
auch unserer Technik-Crew aus dem 9. Jahrgang unter
der Leitung von Herrn Heimrod. Die Saalatmosphäre,
die für ein solches Kleinkunst - Programm nötig
ist, bedeutet für die Technik, jeden Spot und
jedes Mikro von unserem üblichen Veranstaltungsort
in der Mainzer Straße in die Schillerpromenade
zu transportieren und zu installieren. Und hätten
sich Constantin Stade und Werner Doyé nicht
um unser leibliches Wohl während der Hauptprobe
gekümmert, wären wir vielleicht alle verhungert,
ehe der große Abend da war. Alles in allem ist
es sehr vielen zu verdanken, dass wir dieses Kaleidoskop
von eindringlichen Bildern und Stimmen, die die Vielschichtigkeit
der 20-er zeigten, deren demokratische Neuorientierung
dann 1933 so traurig endete, auf unsere Schillerpromenadenbühne
bringen konnten. Und als das Cabaret die Zuschauer
mit dem letzten Lied “Irgendwo auf der Welt
gibt’s ein kleines bisschen Glück“
entließ, und einige Darsteller und viele Musiker
mit ihren Koffern den Saal verließen, genau
so, wie viele der besten Köpfe Deutschland verlassen
mussten – Kurt Tucholsky, die Manns, Brecht,
Marlene Dietrich, die Comedian Harmonists, Albert
Einstein – um nur einige zu nennen – hatten
wir das Gefühl, dass die Zuschauer auch verstanden
hatten, was wir zeigen wollten. Das war für uns
mindestens so schön, wie der lange und freundliche
Applaus.
Ich glaube, wir alle haben viel gelernt und gezeigt,
dass an unserer kleinen Oberstufe viel Elan und große
Qualität zu finden sind.
Lore Nareyek und Annette Malur
PS:
Besonderen Spaß hat uns die unkomplizierte,
kollegiale Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und
Kollegen gemacht, die nicht von Eitelkeiten, sondern
gegenseitiger Unterstützung und Ideenreichtum
geprägt war. Dafür 1000 Dank, Ihr Lieben!
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