Impressionen der Abiturfeier 2008


Fotos: Verschiedene

Nach dem Gottesdienst










...


Abschlussfeier im Saal der Schillerpromenade




















 


Wir danken Jörg Tobias Hagen für seinen unermüdlichen Einsatz an der Technik.

Und das war die Ansprache des Schulleiters, Herrn Weiser:

Liebe Abiturienten, liebe Abiturientinnen,

in wenigen Augenblicken endet mit der Überreichung Ihrer Abiturzeugnisse Ihre Schulzeit. Sie sind nun „abituriens“ – Davongehende!
13 Jahre, oder mehr, waren Sie unterwegs zu diesem Ziel.
Nun stehen wir gemeinsam hier sehr feierlich zum letzten Mal zusammen, nach einem letzten gemeinsamen Gottesdienst, nach einem letzten gemeinsamen Vaterunser,

O Gott, und nun zum letzten Mal noch eine Rede!

Sie haben es gut! Als ich 1970, also vor etwa hundert Jahren, mein Abitur machte, hatte ich diese Reden bereits zweimal gehört. Zu unseren Abifeiern in der Aula meiner Schule wurden immer die – damals noch Klassen - 11 und 12 dazu geladen. Unsere Frau Direktorin, Gott hab sie selig, hielt immer dieselbe Rede, Jahr für Jahr. Da war von Wegen die Rede, die auf einen Berg führten, von Aufstieg, von Anstrengungen, Rast, Verweilen, von zu überwindenden Schwierigkeiten, von Erquickung an Bächen, von Aussichten über weite Täler, immer das Ziel, den Gipfel im Blick und so weiter und so weiter. Wir nannten die Rede der Alten spöttisch; die Bergpredigt!

Nun stehe ich vor Ihnen, auch nicht mehr ganz jung! Aber ich habe gelernt. Um meine Worte jährlich ohne größere Peinlichkeit wiederholen zu können, haben wir eben die Jahrgänge 11 und 12 nicht eingeladen!

Das Bergsteigermotiv ist mir aus den genannten Gründen zuwider. Ein anderes Bild aus unserem Schulalltag fällt mir ein: Unsere Baustelle am Sasarsteig Ecke Reuterstraße – der Schulneubau für unsere 1. Klassen.
Das Leben ist eine Baustelle! So der Titel eines Berlinale-Films von 1997,
in dem die Protagonisten an ihrem Leben basteln und bauen.

Auch Sie als Schüler waren und sind Bastler und Bauleute und alles fing an mit dem Gießen des Fundaments in der Grundschule.
Dieses ist im Prinzip nichts besonderes, meist entsteht eine öde Betonplatte, ohne jegliche Schnörkel oder ähnlichem. Dennoch ist sie unerlässlich, weil ohne Fundament kein vernünftiges Haus steht.

Nachdem Sie die Grundschule hinter sich gebracht hatten, also das Fundament gelegt war, konnte mit dem Rohbau begonnen werden. Das neue Haus bekam allmählich Strukturen, mit denen man was anfangen konnte. So konnte man ab diesem Zeitpunkt erahnen, welche Räume größer und geräumiger gestaltet wurden und auf welche Bereiche der Bauherr nicht so viel Wert gelegt hat. Im übertragenen Sinne: Für welche Bereiche im Kopf eines Schülers mehr Platz bereit gestellt wurden und für welche weniger.

Auch zeigten sich nun die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Bauprojekt. Während einige fleißig und präzise den Baufortschritt nie aus den Augen verloren, Schlechtwetter und andere Verzögerungen einplanten, pflegten andere in genüsslicher Zufriedenheit ihr Tageswerk, drei lieblos gemauerte Reihen Ziegelsteine zu betrachten und anschließend den Erfolg ausgiebig mit einem Kasten Bier und einer Flasche Korn bis in die Nacht zu feiern. So unterschiedlich sind die Menschen beim Bau!
Nun gut, man konnte ab jetzt auch langsam erkennen, welches Haus in der Siedlung eine Garage bleibt und wer die Pracht-Villa baut!

Eine erste Abnahme des Rohbaus erfolgte noch im Stillen, ohne Präsenz einer regulären Bauaufsichtsbehörde, die sich MSA nennt, wie es mittlerweile der Fall ist und die Chaos verbreitet. Heute verursacht diese geregelte Bauabnahme mit diesen zusätzlichen Test ein fragendes Helmabnehmen und Kopfkratzen.
Am Ende der Klasse zehn fand schließlich Ihr Richtfest statt. Zum ersten Mal durfte gefeiert werden, weil Sie nicht nur den Mittleren Schulabschluss in der Tasche hatten, nein, Sie hatten den „erweiterten“ oder eben die Versetzung in die 11. Klasse. Damit war das Erbaute schon als Haus erkennbar, wenn auch noch nicht wirklich fertig.

Der Rest ging doch sehr schnell. Ab der Oberstufe flossen massiv individuelle Stilrichtungen und Interessen in das Aussehen des Hauses ein.
Spätestens ab der Kurstufe konnte man jedes Haus in der Siedlung vom anderen unterscheiden. Die Dacheindeckung, Fassaden und Verblendung, Fenster, Türen, usw. wurden in verschiedenen Qualitäten und Stilen sichtbar.

Die staatliche Bauabnahme erfolgte streng und formal, Mängel wurden benannt, bauliche Glanzleistungen wurden hervorgehoben.
Jetzt, nachdem alles zertifiziert und die Dokumente gestempelt sind, kommen wir gleich zur Schlüsselübergabe.
Das Haus selbst ist fertig und bewohnbar und mit all dem ausgestattet, was ein modernes Haus haben muss. Das neue Haus erscheint voll funktionsfähig, Strom, Gas und Wasser wird es haben.

Ihre nächste Aufgabe ist es also, das Haus so einzurichten und es mit Leben zu füllen, auf dass Sie selbst gerne in diesem Haus wohnen, dass Sie sich freuen nach Hause zu kommen und es mit Stolz Ihren Gästen präsentieren.

Heute aber ist Einweihungsfeier, und da ist man froh und genießt das Leben und vergisst den Stress mit der Bauleitung!

So, Ihr beneidenswert jungen Menschen, nun freut Euch über Euer Abitur!

Es bedeutet einen wesentlichen Schritt voran.
Es ist viel, sogar sehr viel – aber noch lange nicht alles!

Und nun, typisch für Lehrer, eine Reihe von Imperativen:

Was auch immer Sie tun,
was auch immer Sie wollen,
wohin Sie auch gehen,
wer Sie auch werden,
was Sie auch werden!

• Suchen Sie das soziale Engagement,
denn nicht überall ist die Welt in Ordnung.

• Erfüllen Sie die Gemeinschaft mit Leben,
denn jeder kann Verantwortung mittragen.

Um es mit Brecht zu sagen:
Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.

• Bleiben Sie neugierig, denn es gibt immer wieder Neues in dieser Welt zu entdecken.

Und im Übrigen:
• Leben Sie den „uneigennützigen Groll“
und weinen Sie die „uneigennützigen Tränen“, die auch Heinrich Heine von den Göttern erbat.
Erinnern Sie sich mit Sympathie an unsere Schulgemeinde.
Wir Lehrerinnen und Lehrer behalten Sie im Gedächtnis, weil Sie durch die gemeinsamen Jahre ein Teil unseres eigenen Lebens geworden seid.

Merkt Sie sich die Worte des spanischen Dichters Gracián, der da meinte,
dass der griechische Sänger Orpheus mit seiner Harfe für die Menschheit mehr getan hat, als Herkules mit seiner Keule!

Wir wünschen Ihnen für das Einrichten Ihres neuen Hauses die dafür notwendige Kraft und den Segen Gottes, der Sie tragen wird, wenn Sie in Nöten sind.


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