Schüler schreiben ...


  An drei Tagen im Dezember 2004 beteiligten sich Schülerinnen und Schüler der ESN an dem Projekt
Herbstliteratur, welches der uns bereits durch das Lichterfest
an der Siegessäule bekannte
Künstler Misha Bolouri
ins
Leben gerufen hat.

In der Akademie der Künste und im Literaturhaus in der Fasanenstraße lasen unsere Hobby-Poeten vor den kritischen Ohren anderer Dichter aus ihren Werken; Prosa, Liebeslyrik und Groteskes wurden zu Gehör gebracht.
Der Beifall zeigte Zustimmung, manch beachtenswerter Text erblickte so das Licht der Öffentlichkeit.

Misha Bolourie bei der
Vorbereitung in der ESN

Kaja Reinki (10c)
Ironie der Vergangenheit

Stehe hier
Und du stehst dort.
Gedenke mein
Und gehe fort.

Mein herz genäht,
Tausendfach vernarbt,
Neues licht erspäht,
An trauer gespart.

Lächelnd vor dem spiegel,
Sehe die vergangenheit,
Zerbrochenes siegel,
Von altem befreit.

Spiegel zerspringt,
Splitter fliegen,
Neuzeit beginnt,
Sie wird bald siegen.

Die Meinungen verschieden,
Alles akzeptiert,
Gegenseitig gemieden
Und nun ignoriert.

Enttäuscht vom gegenüber,
Stille soll walten,
Aus liebe wurde hass,
Erinnerung behalten.

Nichts bereuend,
Augen lodern
Manches betreuend,
Neues fordern!

Sitze allein,
Vieles scheint egal,
Du sprachest von qual?
Gedenke mein!

Brauchst dich nicht zu betrügen,
Konnte dein innerstes erkennen,
Kannst mich nicht belügen,
Kann dich noch immer benennen.

Kannst nichts verbannen,
Kannst erinnerungen nicht verschenken,
Konnte ein netz über dich spannen,
nun musst du meiner ewig gedenken.



Kaja Reinki, 2004

Kaja Reinki (10c)

Ironie der Vergangenheit

Stehe hier
Und du stehst dort.
Gedenke mein
Und gehe fort.

Mein herz genäht,
Tausendfach vernarbt,
Neues licht erspäht,
An trauer gespart.

Lächelnd vor dem spiegel,
Sehe die vergangenheit,
Zerbrochenes siegel,
Von altem befreit.

Spiegel zerspringt,
Splitter fliegen,
Neuzeit beginnt,
Sie wird bald siegen.

Die Meinungen verschieden,
Alles akzeptiert,
Gegenseitig gemieden
Und nun ignoriert.

Enttäuscht vom gegenüber,
Stille soll walten,
Aus liebe wurde hass,
Erinnerung behalten.

Nichts bereuend,
Augen lodern
Manches betreuend,
Neues fordern!

Sitze allein,
Vieles scheint egal,
Du sprachest von qual?
Gedenke mein!

Brauchst dich nicht zu betrügen,
Konnte dein innerstes erkennen,
Kannst mich nicht belügen,
Kann dich noch immer benennen.

Kannst nichts verbannen,
Kannst erinnerungen nicht verschenken,
Konnte ein netz über dich spannen,
nun musst du meiner ewig gedenken.











Wind


Wind,
der du hier herrschst,
sieh dich um,
schau´s dir an.

Schau die Bäume,
sie reißen ihr Geäst empor,
tausende Blätter jubeln dir zu.

Sie, die Wiesen,
sie legen sich nieder,
wie dir zu Füßen.

Mein Wind,
umarmen möcht ich dich,
spüre wie du mich umhüllst.

Warmer Wind,
nimm mich mit,
spielst mit meinem Haar.

Wind,
ich bewundere dich,

Wind,
ich liebe dich.



Eröffnungsveranstaltung in der Akademie der Künste
am 3. Dezember 2004:
sämliche Texte

Kaja Reinki (10c)

Ironie der Vergangenheit

Stehe hier
Und du stehst dort.
Gedenke mein
Und gehe fort.

Mein herz genäht,
Tausendfach vernarbt,
Neues licht erspäht,
An trauer gespart.

Lächelnd vor dem spiegel,
Sehe die vergangenheit,
Zerbrochenes siegel,
Von altem befreit.

Spiegel zerspringt,
Splitter fliegen,
Neuzeit beginnt,
Sie wird bald siegen.

Die Meinungen verschieden,
Alles akzeptiert,
Gegenseitig gemieden
Und nun ignoriert.

Enttäuscht vom gegenüber,
Stille soll walten,
Aus liebe wurde hass,
Erinnerung behalten.

Nichts bereuend,
Augen lodern
Manches betreuend,
Neues fordern!

Sitze allein,
Vieles scheint egal,
Du sprachest von qual?
Gedenke mein!

Brauchst dich nicht zu betrügen,
Konnte dein innerstes erkennen,
Kannst mich nicht belügen,
Kann dich noch immer benennen.

Kannst nichts verbannen,
Kannst erinnerungen nicht verschenken,
Konnte ein netz über dich spannen,
nun musst du meiner ewig gedenken.



Wind


Wind,
der du hier herrschst,
sieh dich um,
schau´s dir an.

Schau die Bäume,
sie reißen ihr Geäst empor,
tausende Blätter jubeln dir zu.

Sie, die Wiesen,
sie legen sich nieder,
wie dir zu Füßen.

Mein Wind,
umarmen möcht ich dich,
spüre wie du mich umhüllst.

Warmer Wind,
nimm mich mit,
spielst mit meinem Haar.

Wind,
ich bewundere dich,

Wind,
ich liebe dich.




Die erste Lesung am 6. Dezember 2004
im Literaturhaus Fasanenstraße



Julia Wietstruk (10a)

Ohne Titel

Wirst du eine Freundin sein,
niemals fies sein und gemein,
stets die reine Wahrheit sagen
und nie über mich laut klagen,
mit mir lachen und auch weinen,
und die Dinge ganz ernst meinen?
Wenn ja, dann glaub ich dir,
Mein Vertrag der Feundschaft „hier!“









Dankesbrief

Sollt ich dir ’nen Dankesbrief schreiben,
wüsst’ ich nicht das Ende...
Denn ich entschuldige mich, für jede Träne,
die du weintest,
für den Schmerz, den du hattest,
für jeden grauen Tag durch mich.
Doch kann ich’s dir nicht zeigen!
Denn auch deine Träne war die meine,
deine Träne weinte ich,
und dein Schmerz zerbrach mein Herz,
doch sehen soll’s man nicht.
Und könnt ich deine Last dir nehmen,
so würd´ ich’s tun.
Denn eine Last von dir, ist für mich endlos schwer.
Doch siehst du es mir an?
Ich entschuldige mich für jedes Mal,
als ich dir nicht helfen konnte,
und mit deinen Problemen ging es auch mit mir Berg ab.
Ich entschuldige mich für die Schuld,
die ich dir gab, ohne es zu wollen,
Und ich entschuldige mich für alle Probleme, die wir haben
und es dennoch nicht erkennen.
Und hoffe, du siehst es mir an,
wenn ich es nicht sagen kann, dies Wort,
das so einfach ist und sogleich so
schwierig.
So sag’ ich nur ein’ Satz,
an den ich immer denken werde:
„Verzeih mir!“

Kristina Münzefeld (10a)

Papa mein Schutzengel

Gegangen bist du von mir und doch bist du noch da.
Unsere Liebe zueinander ist klar wie am ersten Tag.
Doch eins ist wiedergekehrt mit deinem Geh’n:
Der Glaube an den Himmel.
Denn du bist ein Engel geworden. Das ist mir klar.
So ein Engel, wie du es bist, die sind rahr.
Denn du passt auf mich auf.
Und dieser Gedanke, der ist wunderbar.
Das ist mein kleiner Trost,
denn so bist du mir immer noch
ganz nah.


Mama

Mama, ich liebe dich von ganzem Herzen und mit ganzer Seeele.
Denn jeden Tag in meinem Leben warst du da, Mama.
Du bist das, was mir noch geblieben ist und doch –
ich habe auch Angst.
Angst vor dem, was du manchmal tust, Mama.
Und Angst vor dem, was noch kommen mag.
Ich weiß, du bist ein guter Mensch, doch warum tust du das, Mama?
Ich weiß, du musst streng sein,
doch musst du so hart zu ihm sein?
Du entziehst ihm deine Liebe, um die er so winselt
Und, Mama, du merkst es nicht einmal.
Mit mir würdest du das die tun!
Was unterscheidet und, Mama?

 

Marc Müller (1. Semester)

… komisch

ich sah es jeden abend:
etwas sehr biegsames flog aus dem kühlschrank,
direkt auf den nächsten aschenbecher zu.
zuerst heulte es immer, dann nahm es einen zigarettenstummel,
fraß ihn und kotzte mir vor die füße.
dabei stellte ich mir immer vor wie,
wie die glühbirne des deckenfluters explodiert.
dann kam meist die hyäne, mein haustier, und setzte sich
auf den angeschalteten grill. das kommt wahrscheinlich davon,
dass ich den rasen noch flambieren musste.

aber dann geschah es.
es war jedesmal wieder faszinierend:
meine uhr ... hörte auf ... zu ticken
der schock sitzt in solchen momenten sogar so tief,
dass ich ganz vergesse,
den schimmel auf meiner armbanduhr zu bemerken
was für komische dinge es doch auf unserer erde gibt ...

er starb in einer verrauchten nacht
und dabei sah ihn niemand
ein einzelner gedanke hat ihn umgebracht
es trieb ihn an des wahnsinns rand
dann ist er aufgewacht
das leben hat sich von ihm abgewandt
der selbe gedanke hat nun ein feuer in ihm entfacht
er, vom tod gezeichnet als er dort stand
was hatten sie nur mit ihm gemacht
langsam kroch er wutentbrannt
aus seinem dunklen engen schacht
beanspruchte noch unbetretenes land
für sich ...

der wille

 

Alltag

so grau - nix
nur die uhr tickt
alles verschwindet
während nur ein zeiger klickt
ich sehe die zeit wie sie sich windet
im nix
im niemandsland
ich sehe in mich 'rein und verbrenne meine hand
... starre an die wand
matte beleuchtung
ich sehe keinen laut
es gleicht einer verseuchung
und so verharre ich bis der morgen graut
bis dass in mein fenster die sonne schaut
kopfschmerzen
ich sehe wie ein hammer gegen meine stirne haut
es lässt ihn zerbersten
in einzelteile; so grau wie nix
nur die uhr tickt
während nur ein zeiger geschickt
den anderen umgeht
ich sehe wie der wind weht
und die welt um mich herum
vergeht


Antipathie

geh' weg
schlag doch deine frau
du benimmst dich wie dreck
FREGG
du bist überall
lässt dich nich abwaschen
stinkst voll erbärmlich
hast speck in den taschen

nix gegen dich
doch ich mag dich nich

leb deine maske
ACH ist sie schön
sie klebt an dir fest
man kann dich nicht seh'n

FREGG
glaub' ja nicht, dass auch ich dir schuhe leck
ich lebe mein leben
du bist nur ein brauner fleck
wenn sie dir folgen woll'n
dann folg'n sie dir eben
ich bleib' verscholl'n
denn ich bin keck

aber
irgendwann
komm ich zurück
und dann kotz ich dich an


Eine ungewöhnliche Detektivgeschichte. Teil 1

als gestern die morgine ploppte,
schlonzte es mal wieder.
typisch ! immer wenn es köhnt,
gratet so ziemlich alles.
aber das ist ja noch nicht so schlimm.
viel schlimmer ist die tiesoforne sackgalle!
wenn die nämlich mal wattart
- boah, ne du, ich sag' dir,
da bleibt die sonne unten.

... aber wie gesagt
es war mal wieder alles schlonz
und der tag war auch viel zu kaffee.
also machte ich mir ersma' einen
eier-tee mit viel salz, setzte mich bequem
in die lampe und über-legte ,
was man an so einem herrlich sonnigen arsch
noch so alles machen könnte.
als ich mich vom galdon wieder
erholt hatte, sah ich plötzlich
einen schwan gegen mein fenster atmen.
ich ging zu ihm hin und fragte mich nicht,
warum heute montag ist, sondern warum
meine fenster auf einmal keine dreiecke mehr waren
ich untersuchte den rahmen und
entdeckte blut im waschbecken - "eigenartig!"
außer mir kommt sonst nie jemand
in mein lebkuchenhaus
- und ICH blute nie aus den haaren.
...es muss jemand gewagt haben zu kärnen
aber wer ?
das macht mich blob.
ich dachte ziemlich laut:
- es steht fest, dass etwas in-koktä salmt ,
- etwas, das aufjedenfall kaninchen hat
- und haarblutomane ist,
- etwas kotze,
- etwas das wusste, dass man lebkuchen essen konnte.


Romina Sommer (10a)

Manchmal

Manchmal denke ich pausenlos an ihn, ohne auf das zu achten
was um mich herum passiert.
Manchmal fühle ich noch seine Lippen auf den meinen,
nur weil ich es mir sehnlich wünsche.
Manchmal wünschte ich mir, aber einfach nur bei ihm zu sein,
da es so ein schönes Gefühl ist.
Manchmal würde ich ihn einfach nur in den Arm nehmen wollen,
um ihm zu zeigen wie viel mir an ihm liegt.
Manchmal sehne ich mich nach seinen Worten,
die mich immer so verzauberten.
Manchmal habe ich das Gefühl seine Umarmungen zu fühlen,
obwohl ich weiß dass es gar nicht sein kann.
Manchmal träume ich er wäre wieder mein,
und doch weiß ich es wird nie so sein.
Manchmal hoffe ich er würde nur einmal auf seine Gefühle hören,
um mir wieder Hoffnung zu geben.
Manchmal wünschte ich mir, er würde mal fühlen wie ich es tue,
um zu verstehen wie es Schmerzt.
Manchmal sehne ich mich, aber einfach nur diesen Jungen zu vergessen.

Freundschaft

Was bedeutet FREUNDSCHAFT?
Bedeutet es jemanden zu haben, um ihm alles zu erzählen
oder um sich einfach nicht alleine zu fühlen
Bedeutet es zusammen Lösungen zu finden
Oder einfach nur jemanden lieb zu haben?
Bedeutet es Fehler zu machen um für das spätere Leben zu Lernen
Oder gemeinsam Zeit zu verbringen?
Was bedeutet Freundschaft für mich
Bin ich der Mensch, der für alles was er macht eine Bestätigung bekommen möchte?
Bin ich der Mensch, der viele „ Freunde“ um sich herum haben muss um zu wissen,
dass man geliebt wird?
Bin ich der Mensch, der sich ohne Freunde alleine fühlt?
Wo sind die Antworten?
Was bedeutet Freundschaft

Die zweite Lesung am 13. Dezember 2004 in der
Akademie der Künste

Kaja Reinki (10c)

Ein Tag in Auschwitz

...
Unser Flug und der Aufenthalt im Drei-Sterne-Hotel schien irgendwie ein wenig unangebracht, wenn man bedenkt, warum wir hier in Krakau waren. Allerdings sollte diese Fahrt auch nicht dazu dienen uns vollkommen zu deprimieren. Wir fuhren mit dem Bus nach Auschwitz. Dort war es kalt und der Wind fegte. Am Tag zuvor hatte es geregnet, so war der Boden aufgeweicht und mit Pfützen übersät. Während der Führung kam es mir so vor, als hätte hier niemals anderes Wetter herrschen können. Das riesige Gelände schien vollkommen grau, ebenso wie der Himmel. Die Bäume waren knorrig, ihre Äste streckten sich knochig und spärlich mit Blättern bestückt in die Luft. Unser Leiter führte uns umher und erzählte uns mit polnischem Akzent über Auschwitz. Das erste, was mir ins Auge stach, war das Ausmaß der gesamten Anlage. Die rötlichen Häuser, diese triste Einöde, diese graue und unwirkliche Umgebung passten hervorragend zum Wetter. Dann streckte sich mir das Tor mit der gewellten Aufschrift „Arbeit macht frei” entgegen. Jetzt fielen mir all die Bilder wieder ein, von denen, die hier gestanden hatten, doch ich konnte es mir nicht wirklich wahr machen. Mein Vorstellungsvermögen ließ mich heute im Stich.



Es gab noch viele andere Gruppen hier. Sie sorgten dafür, dass ich mich hier wie auf einer Ausstellung fühlte, die es ja irgendwie auch war. Es schien mir unangebracht hier zu fotografieren, als würde ich wie ein Tourist den Sehenswürdigkeiten hinterher jagen. Wir sahen uns einige Häuser von innen an. Kahle weiße Wände, wie aus Kalk. Mir fiel auf, dass die Treppen und Böden nicht eben waren. Wir betraten ein Raum nach dem andern und bekamen Schriftstücke zu sehen. Sie dokumentierten den perversen, systematischen Ablauf hier im KZ. Viele Fotos und gemalte Bilder verewigten hier alltägliche Szenen. Und dann kamen die Räume, die mir das Ausmaß noch besser zeigten. Berge von Schuhen, Kämmen, Bürsten, Brillen, Töpfen, Geschirr und dazu die leeren Zyklon-B-Giftdosen. Baby- und Kinderklamotten, Schuhcremedosen und diese Unmengen an Haaren sprachen eine deutliche Sprache. Prothesen, die mir zeigten, wie ausweglos Auschwitz für Behinderte gewesen war. Manche Prothesen waren kleiner als andere, sie stammten wahrscheinlich von Kindern. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies alles echt war. Es kam mir alles unwirklich vor. So als wäre dies alles auf einer ganz anderen Welt oder zumindest sehr weit weg geschehen und als wäre dies alles nicht das Original. Ich konnte nicht realisieren, dass diese Geschehnisse vor nur 60 Jahren so nah bei mir geschehen sind. Ich stand dort und versuchte mir vorzustellen wie die Füße über diese Wege gelaufen sind. Die Wege, nass, matschig und voller spitzer Steine. In Birkenau konnte ich mir das Leben der Menschen das einzige Mal vorstellen. Ich sah einen alten Viehstall, der zum Schlafplatz für Frauen umfunktioniert worden war. Ich sah den Platz vor meinen Augen und erkannte ihn aus Filmberichten wieder. Auf den Holzbrettern hatten sich viel zu viele Frauen gedrängt. Ich sah vor meinem geistigen Auge wie sie alle da saßen und in die Kamera sahen. Alte Frauen, eingewickelt in Decken, saßen nebeneinander auf dem manchmal sogar beheizten Ofenrohr. Sie erinnerten an Tiere, die in viel zu kleinen Käfigen gehalten wurden. Die Toiletten befanden sich in einer Holzhütte in Form von vielen Löchern, die dicht aneinander gereiht in einen langen Steindeckel gehauen waren. Unser Führer erzählte, dass sich die Menschen aussuchen mussten, ob sie sich an diesem Tag etwas zu essen holen oder auf Toilette gehen wollten. Es waren zu viele Menschen dort. In einem Raum war „Wasser trinken verboten, Seuchengefahr” an die Wand gesprüht. Die Gaskammern erkannte ich gar nicht als wir hindurch gingen. Diese ganzen, leeren, weißen Räume empfand ich als sehr unangenehm. Alles sah so kahl aus. Wasch- und Desinfektionsräume, sowie Entkleidungsräume. Diese tristen Räume zeigten mir, mit welcher durchdachten, systematischen Schlichtheit hier alles von statten gegangen war. Wir sahen Kläranlagen und eingestürzte Krematorien. An diesen steckten manchmal Rosen. In einem dunklen Raum waren an aufgestellten Wänden hunderte von Fotos befestigt. Lampen beleuchteten nur diese Fotowände und alles spiegelte sich im Boden wieder. Die Fotos zeigten Alltägliches aus verschiedenen Familien, die hier umgekommen waren. Ich musste wieder an die Puppe denken, die ausgestellt wurde. Sie war in verschiedene Teile zerbrochen. Die Puppe wurde dem Mädchen sofort nach ihrem Eintreffen weggenommen. Anschließend wurde das Mädchen vergast. Die Geschichten von Kindern, die ich hörte, werde ich nicht so schnell vergessen. Ich sah die Gedenksteine, in vielen Sprachen, die dieselbe Inschrift trugen: „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis etwa anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.” Auf diesem schwarzen Stein lagen rote und weiße Rosen. Ich bereute, dass ich doch keine dabei hatte und legte in Gedanken eine dazu. Den gesamten Tag hatte ich mich einfach nur unwohl und bedrückt gefühlt. Es kam mir so vor, als hätte ich zwischen den Zeilen dieser Inschrift viel Leid, Verbitterung und Wut herausgelesen. Ich mochte diese Inschrift sehr. Erneut machte mich die Tatsache wütend, dass einige dies alles uninteressant fanden. Und irgendwie war das Verhalten meiner Mitschüler stellvertretend für viele andere Deutsche. Diese Ignoranz und dieses Desinteresse eignen sich nicht solche Gräueltaten in Zukunft zu verhindern.

Verlorene Seele

Verlorene Seele
Was musstest du sehen
Wie musstest du leiden.

Verlorene Seele
Wann kannst du von hier gehen?
Wann lässt dich Vergangenes ruhen?

Verlorene Seele - mal Millionen.

Verlorene Seele
Wurden Tränen geweint?
Träne - mal Millionen
Doch retten können sie nicht.

Verlorene Seele, sieh

Zersprungenes Porzellan - eine Puppe
Zersprungenes Porzellan - ein Herz
Zersprungenes Porzellan - ein Leben
- mal Millionen

Verlorene Seele
Was muss ich tun?
Was soll geschehen
Wie kannst du ruhen?

Geschüttete Asche im Wind,
Der Wind heult - Weinen der Seele
- mal Millionen.

Verlorene Seele in Kindesgestalt,
Sieht, die Asche im Wind,
Wisse, - das waren Millionen.

Augen

-unendliche Tiefe ohne Leere-
giftige Katze
das Ende der Welt?
Abgründe, blutgetränkter Grund
- vom roten Regen-
schwarzer Himmel,
verwelktes Leben-
wie die Blüte einer Blume,
Wind der zerstört, Wasser das ertränkt,

Feuer das zerfrisst, Erde die schluckt.
-Lila Mond-
viele Rosen
Weinrosen
Angst? Immer-gar nicht-überall
-Alles zu sehen in der Träne-
Träne mal zwei

meinen Augen

Marc Müller (1. Semester)

leer

ein karton steht mitten auf der fahrbahn
so leer, so braun, so kalt, so pappig
keine spur der erinnerungen die mal 'drin war'n
ein gefühl der leere im bauch
das hab' ich

wie ein stück fleisch den tieren zum fraß
alles hat man aus ihm herausgenommen
nur aus sucht für den eigenen spaß
seitdem hat der verfall begonnen

ein starker baum
das war er einstmal
das leben hatte ihn angelacht
hass, ignoranz und große qual
haben ihn dann zu pappe gemacht

nur wenige sachen sind ihm noch geblieben
"zerbrechlich"
haben sie auf sein äußeres geschrieben
"zerbrechlich"
haben sie ihn gemacht
und haben ihn dafür noch ausgelacht

ein karton stand mitten auf der fahrbahn
so leer, so braun, so kalt, so pappig
war so zerstört
von allen die ihn ansah'n
als der letzte knopf des lebens aus ihm wich

weg

ich habe mich gestern verloren ...
in den straßen ...
ich habe mich nicht wieder gefunden ...
in den straßen ...
nun lieg' ich dort irgendwo herum ...
in den straßen ...
hätte ich mich bloß nicht fallen gelassen ...
Die siebenseitige Kugel

Spiel das Lied deiner Augen in Moll
Zeig deiner Seele Schmerzen
Hör wie die Träne im Sinn verscholl
Und trag Lila in deinem Herzen
Trauer
Oder nur der Würfel den ich roll
Oder die Welt im Widerschein der Kerzen

Spiel das Lied deiner Augen in Dur
Riech deiner Seele Sonnenband
Dein Lachen rollt über den Teppichflur
Und hat Gelb in dein Herz gebrannt

Freude
Oder eine Ansicht nur
Oder wenn man den Bogen spannt

Spiel das Lied deiner Augen verzerrt
Lass rennen heraus deine Leere
Spür der Racheklingen Wiederkehr
Als ob des Herzens Blut noch roter wäre

Hass
Oder wenn man Sich endlich wehrt
Oder die Schraube deiner Schere

Spiel das Lied deiner Augen für Mich
Spüre den Sinn den ich nun in dir seh
Eine gemeinsame Kugel werden Wir innerlich
Unsere ungrüne Vergangenheit tut nicht mehr weh

Liebe
Oder ist Einsamkeit nur widerlich
Oder bunt gefärbter brennender Schnee

Spiel das Lied deiner Augen ganz stumm
Gehe rückwärtig Abstand haltend voraus
Passiv gestreut um den Kern herum
Baut dein Herz sich ein dunkelgraues Haus

Ruhe
Oder ist Defensive gar nicht so dumm
Oder die Strategie und Taktik einer Maus

Spiel das Lied deiner Augen extrem
Lass es Alle hören denn Niemand ist da
Zwingend ist das Getrenntsein nicht unbequem
Dein Herz lebt weiter wenn auch Schwarz und klar

Einsamkeit
Oder eine Seele aus Lehm
Oder ist der Druck der Masse noch immer da

Spiel das Lied deiner Augen für Dich
Veränderbar ist Der ohne Mut nein zu sagen
Spiel das Lied deiner Augen und hör nicht auf Mich
Ans eigene Ich kannst' dich nur Selber wagen

Individualität
Oder lebe oder sterbe Ich
Oder hast DU Angst alleine herrauszuragen


Schachtelsatz #1

"so ein unfug" dachte mein hund auf klo,
während
meine katze im nicht vorhandenen raum einer gletscherspalte
in süd-ost-west-nord eurasien eine formel für das erfinden
der teflon-beschichtung für skateboardfische
ohne sauerstoffabnahme mit backofenverstärker
korrodierend mit dem poly-solitiden agrar-finger-zusatz
der firma ohne nicht-beschränkung der pro/conta-bewegung
einer fast schon krass grünen blau-gelb-rot-färberei
für textil-flaschen aller art und rassen-diskriminierung
der etwas kleinlauten demonstrativpronomen-werkstatt
für habgierige halbarme nichtsänger mit ausweisdefizit
aus amerikanischen quasi-wahrheiten

verbrannte.

 

logout

im augenlicht, scheint dein gesicht
doch ohne leiden, geht es nicht
weil tiefer schmerz die haut verbrennt,
wenn er dir deinen namen nennt
ein sehnsuchtsschrei , ein schneideblatt ,
das deinen sinn gerettet hat,
fällt tief in mich, auf dein gesicht
ich kann nix tun, ich bin schachmatt
gib dem hund den knochen nicht,
sonst wirst du ihn bereuen
die tage sind der bösewicht
die leuen zu den leuen
um haaresbreite sand verfehlt,
ein stein im braunem meer
am ende gibt es nix, was zählt,
ich glaub', ich kann nicht mehr.


Eva Stöcker (1. Semester)

Magnolien

Info: Takuto ??? (jap. Name) wird gesprochen [Tak'to]
Izumi ??? (jap. Name) wird gesprochen [Isumi]

" Wenn du nur den Magnolienbaum auf der anderen Seite der Straße sehen könntest! Er steht in voller Blüte und lässt seine wunderschönen weißen Blätter auf die Passanten regnen! ....."
"....Gegenüber in der Nachbarwohnung geht es zu wie immer, der Junge spielt unaufhörlich Gitarre während der Nachbar von unten mit dem Besen gegen die Decke klopft. Vielleicht sollten wir das Fenster öffnen, dann könnten wir hören, was er spielt.... "

Da war er wieder, der Neid! Takuto lag in seinem Bett, strich sich seine schwarzen Haare aus dem Gesicht, starrte an die Decke und lauschte grimmig den Klängen seines Zimmerpartners. Wie lang war es nun schon her, dass er hier im Zimmer 345, irgendwo im Krankenhaus gelandet war? Bestimmt schon zwei Monate. Nach einem Autounfall hatte er so starke Verletzungen erlitten, dass er bis auf weiteres zur Beobachtung hier bleiben musste. Als er damals in seinem Zimmer im Bett neben der Tür erwachte, lag er noch alleine in diesem großen, langweiligen Raum. Das Einzige was sich darin befand, waren ein Tisch mit zwei Stühlen, zwei Betten (wobei eins an der Wand stand, das andere neben dem Fenster) und ein alter Fernseher, der etwas weiter oben angebracht war und natürlich er, Takuto. Niemand war gekommen, um ihm gute Besserung zu wünschen, niemand war gekommen, der sich um ihn sorgte, das lag wahrscheinlich daran, weil er auch niemanden hatte und sein Leben alleine bestritt. Er war Single und glücklich damit und es sollte sich auch so schnell nichts ändern, das dachte er jedenfalls bzw. er wollte es auch so. Er brauchte niemanden. Takuto hasste es, über sein Leben nachzudenken, doch bevor sich darüber ärgern konnte, dass er es gerade getan hatte , wurde auch schon ein Patient hereingefahren und ins Fensterbett gehievt. Es war ein blondhaariger Junge, man würde ihn wohl so um die 12 schätzen, und er grinste ihn, als er Takutos Augen traf, freundlich an. Kurz darauf brachten einige Schwestern viele Blumen herein. Manche hatten kleine Schilder mit Aufschriften wie "Gute Besserung!" oder "Halt die Ohren steif ". Als alles hineingeschafft war, verließen sie alle wieder den Raum und Takuto war mit dem Jungen alleine. Eigentlich hatte er keine Lust mit ihm zu reden, aber um ein Kennenlerngespräch kam er nicht herum, so stellten sie sich beide vor und nach einiger Zeit verstanden sie sich sogar halbwegs gut. Es gab aber ein Problem, Takuto, der das Bett an der Wand hatte, konnte nicht aus dem Fenster sehen, weil er an sein Bett gefesselt war. Um seine Sehnsucht nach der Außenwelt wenigstens ein bisschen zu befriedigen, bat er den Jungen ihm alles zu erzählen was draußen passierte. Dieser war anfangs sehr genervt davon und fasste sich kurz, doch irgendwann schien er Spaß dran gefunden zu haben Takuto alles zu erzählen, und darüber hinaus, sodass er sich Geschichten ausdachte, Sachen miteinander verband und in höchsten und wundervollsten Worten von der Welt da draußen schwärmte. Doch das war Takuto nicht genug, er WOLLTE unbedingt sehen was der Junge sah! Er MUSSTE es um jeden Preis, es war nur noch schwerer auszuhalten... und der Neid wuchs immer mehr und mehr...

"... Takuto? Hör doch nur!" Izumi, wie der Junge hieß, hatte das Fenster geöffnet und man konnte nun wirklich die Gitarrenklänge von gegenüber wahrnehmen.
"Schön…", entnervt drehte sich Takuto weg und versuchte ein wenig zu schlafen. Es war unfassbar. Dieser kleine Junge, dieser Izumi schien gefallen daran gefunden zu haben, ihn neidisch auf seinen Fensterplatz zu machen und er fiel darauf rein und konnte nichts tun. Okay, er hatte ihn selber darum gebeten ihm alles zu berichten, aber auf diese Weise? Immer wieder stellte er sich vor, wie er ihn da wegbekommen könnte.
"Möchtest du ein Buch von mir zum Lesen haben?", Takuto spürte eine Hand auf seiner Schulter, drehte sich um und sah in das Gesicht des Jungen.
"Nein, Danke", brachte er ihm barsch entgegen und drehte sich wieder weg. Wollte er ihn nun auch schon neidisch auf seinen Besitz machen?
Danach verschwand der Junge, wie jeden Tag für eine halbe Stunde aus dem Zimmer. Takuto fragte sich, was er wohl immer machen würde, nicht nur, dass er neidisch geworden war, nein! Er war neugierig... Was trieb dieser Izumi? Was für ein Junge war er? Wieso war er hier? Fragen die Takuto ihm wahrscheinlich niemals stellen würde, weil er viel zu eitel war.
Als Izumi wiederkam, brachte er einen Magnolienblütenstrauß mit.
"Ich hab uns Blumen mitgebracht! Möchtest du auch welche auf deiner Seite? Es sieht sonst so leer aus...", er strahlte ihn fröhlich an. "Nein, mir gefällt es so wie es ist!", Takuto wäre am liebsten aufgestanden und hätte Izumi seine verdammte Fröhlichkeit irgendwie ausgetrieben, aber er konnte nichts tun! Dieser Junge provozierte ihn im Dauertakt. "Hmm...gut... dann...Soll ich dir erzählen was draußen passiert?", wieder machte sich dieses Glänzen in Izumis Augen breit. Doch diesmal konnte Takuto nicht nein sagen. Schließlich wollte er ja wissen, was draußen passierte. Somit ließ er ihn erzählen und erzählen bis Izumi vor Dunkelheit nichts mehr erkennen konnte und beide sich langsam schlafen legten.
Takuto blieb wie immer erst einmal wach liegen und dachte weiter darüber nach, wie er wohl ans Fenster kommen konnte, als plötzlich ein Keuchen vom anderen Bett zu hören war. Takuto schreckte auf und saß senkrecht auf. Es war Izumi! Er keuchte und bekam kaum Luft... sein Körper zuckte, er hatte einen Anfall. Takuto schaute geschockt zu und bemerkte, dass er eigentlich die Krankenschwester holen müsste, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Er wusste selbst nicht genau was dieses seltsame Gefühl bedeutete. >>Komm schon Takuto!<< sagte er zu sich selber >> es ist nur eine Fingerbewegung zum Schalter! Oder willst du ihn sterben lassen?<<
Sterben? Darüber hatte er noch nicht nachgedacht, dieser schreckliche Junge hatte ihn die letzten zwei Monate immer nur verunsichert. Er machte ihn neidisch auf das Fenster, auf seinen Besitz und darauf, dass er sein Bett verlassen konnte, wann er wollte und dann dieses Grinsen und Lächeln, er hatte
ihn doch nur provoziert oder? Er hatte es verdient, dass ihm jetzt so etwas passiert! Genau, er hatte es verdient.
Schnell zog Takuto sich die Decke wieder über, ignorierte jeden Laut und schlief ruhig mit dem Gedanken ein: "Morgen kann ich aus dem Fenster sehen."
Stille machte sich im Zimmer breit, es war Schlafenszeit doch es war klar, nur einer von beiden würde am nächsten Morgen wieder aufwachen.

Am nächsten Morgen wurde Takuto von der Sonne geweckt und beweg
Am nächsten Morgen als Takuto aufwachte, war das Zimmer mit Menschen gefüllt. Einige weinten, andere - wie die Ärzte - standen kopfschüttelnd neben dem Bett.
"Wie konnte das passieren?", jauchzte eine ältere Frau auf.
"Wir können Ihnen das auch nicht erklären... sein Zimmernachbar scheint nichts davon mitbekommen zu haben, es war ein Anfall. Wir konnten nichts mehr tun, Unser Beileid...."
Takuto schaute verstört zu den aufgebrachten Menschen und rief sich die letzte Nacht zurück ins Gedächtnis. Was war passiert? Ach ja, genau... Das war es...
Izumi war also wirklich gestorben... und er hatte ihn auf dem Gewissen. Doch ehe er sich versah, kam auch schon eine Krankenschwester zu ihm und fragte: "Möchten Sie jetzt an das Fenster?" Das war DIE Frage, die er schon die ganze Zeit hören wollte, die Frage, auf die er gewartet hatte und sie riss ihn aus jeglichen Gedanken. "Ja, gern", und somit schwor er sich nicht weiter über alles nachzudenken, schließlich verdächtigte ihn ja auch keiner, oder? Und er hatte endlich seinen Willen bekommen, jetzt würde alles gut werden, oder?

Es vergingen ein paar Stunden und das Zimmer war wie ganz am Anfang einfach leer, nichts erinnerte mehr an Izumi und an die selbst gemalten Bilder (Die Izumi überall im Raum verteilt hatte...), an die Schildchen mit den Aufschriften oder die Magnolienblüten. Takuto war endlich auf dem Bett nahe am Fenster und blickte das erste Mal hinaus. Doch was war das? Nichts war auch nur halb so schön, wie Izumi es umschrieben hatte - außer der Magnolienbaum auf der anderen Seite der Straße... Was sollte das? Hatte der kleine Junge das mit Absicht gemacht? Sogar jetzt, nach seinem Tod empfand Takuto Hass auf ihn... es tat ihm nichts leid. Es war gut so, dass Izumi weg war, es war gut so...

te sich etwas im Bett umher bis er etwas hartes unter seiner Matratze bemerkte. Er griff mit einer Hand dorthin und zog ein kleines Büchlein hervor. Es hatte keine Aufschrift. Langsam öffnete er es und es fielen ein paar weiße Magnolienblüten aus dem Buch. Nachdem Takuto die ersten Seiten umgeblättert hatte, war ihm klar, dass es Izumi gehört haben muss. Viele Bilder waren darin und es schien ihm als Tagebuch gedient zu haben. Takuto blätterte neugierig durch das Büchlein und betrachte einige Einträge genauer. >> In meinem Zimmer liegt ein ganz lieber Mann, sein Name ist Takuto, er liegt in dem Bett an der Wand und kann leider nicht heraus um etwas zu sehen, seit gestern erzähle ich ihm was draußen passiert.... Ich frage die Krankenschwester täglich, wann denn der Mann aus seinem Bett herauskommen kann! Außerdem habe ich heute ganz viele Bilder gemalt damit es nicht so leer auf seiner Seite aussieht und um ihm zu zeigen wie es draußen aussieht.<<
.... Was war denn das...?... Takuto blickte ungläubig auf das Buch. Das war es also, was der kleine Junge jeden Tag gemacht hat, als er weg war: Er hatte die Krankenschwester nach seinem Wohlergehen gefragt. Aber wie ging es denn Izumi selber...?
>> Der Arzt meint, dass ich noch lange nicht aus dem Krankenhaus rauskommen werde, weil mein Herz so krank ist.<<
Ein Herzfehler also... Schnell blätterte er einige Seiten weiter und landete auf dem letzten Eintrag.
>> Als ich heute die Krankenschwester nach Takuto gefragt hab’, sagte sie, dass er morgen endlich aus seinem Bett herauskommen darf, dann kann er mit mir aus dem Fenster sehen und ich kann ihm den Magnolienbaum zeigen! Ich freu mich schon<< ......
Es machte klick, die Tür öffnete sich und ein Arzt betrat sein Zimmer. "Schönes Wetter, nicht?" Der Arzt strahlte ihn mit einem gekünstelten (wie es Ärzte immer gut können...) Lächeln an. "Ab heute können Sie das auch genießen!" Takuto wandte seinen Blick nicht von dem Buch. Was meinte der Arzt damit? "Nun ja... ab heute sind sie nicht länger ans Bett gebunden, ihre Werte sind sehr gut, d.h. sie können es verlassen, wenn sie wollen" Er schickte noch ein Lächeln hinterher und verschwand.

Takuto brauchte noch ein paar Sekunden um das zu fassen. Er blickte an die Decke...dann auf die Wände... dann auf seine Beine, die er langsam vom Bett hinunter bewegte und auf den Boden niederließ. Dieses Gefühl...
Izumi, der kleine Junge, den er immer so gehasst hatte, von dem er dachte, er wolle ihn neidisch machen und ihm etwas vorenthalten... war gestorben als Opfer seines Neids. Izumi wollte ihm alles zeigen, sobald er selbst wieder aufstehen durfte. Was war er, Takuto, eigentlich für ein Trottel gewesen?
Er hob sich von seinem Bett und stand, von allem verlassen, mitten im Zimmer. Mit leerem Blick schaute er auf das Fenster.....

Spät am Nachmittag betrat eine Krankenschwester das Zimmer. Das Fenster war geöffnet, ein kleines Büchlein lag offen auf dem Bett am Fenster und man konnte von Ferne leise Sirenen wahrnehmen, während ein paar Magnolienblüten durch den Wind im Raum herumgeweht wurden....






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