Sozialpraktika 2003
der beiden 11ten Klassen der ESN





... in der diakonischen Behinderteneinrichtung:

- Renovierungsarbeiten im Martinshof

- Sozialpflege auf dem Katharinenhof





"Ich sage, die Erdenzeit ist kurz,
und Qual ist absolut,
und viele leiden,
aber was soll's ?
Ich sage, wir können sterben-
die beste Lebenskraft
entrinnt der Fäulnis nicht,
aber was soll's ?
Ich sage, dass im Himmel
die Rechnung aufgeh'n wird,
eine neue Gleichung uns gegeben,
aber was soll's ?

Emily Dickinson

Dieses Gedicht von Emily Dickinson genießt mit großer Wahrscheinlichkeit den Zuspruch vieler Leute. Meinen hatte es auch gefunden. Allerdings sehe ich das nach unserem Praktikum etwas anders.
Unsere Zeit auf dem Katharinenhof haben wir intensiv dazu genutzt, uns mit den Behinderungen und Gefühlen der uns anvertrauten Personen auseinander zu setzen.

 



So beginnt der Praktikumsbericht von Alice Harzmann, 11b, über die Zeit am Katharinenhof
in Großhennersdorf. Wie alle 11. Klassen der evangelischen Schulen Berlins fuhren alle 11. Klassen unserer Schule für eine Woche bzw. zwei Wochen im November 2003 zum Wittekindshof bei Bielefeld oder in die Oberlausitz auf den Katharinenhof und den Martinshof, um dort ein Praktikum mit Schwerst- oder Schwerstmehrfachbehinderten abzuleisten. Hier einige Auszüge aus den Berichten:

"Ich habe vor dem Sozialpraktikum so wenig wie möglich darüber nachgedacht, weil ich ehrlich gesagt ein klein wenig Angst hatte. Angst, weil ich wusste, dass mich geistig und körperlich behinderte Menschen sehr anstrengen würden, Angst aber auch, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde..."

Martin Gerike, 11b, Martinshof






"Wir hatten am unserem ersten Tag schon alle Hände voll zu tun, was ich ehrlich gesagt nicht erwartet hätte. Wir wurden mit den Sicherheitsvorschriften vertraut gemacht, wurden herumgeführt, und bekamen unsere Zimmer zugeteilt. Ich hatte mich für die Arbeit mit Schwerstmehrfachbehinderten eingetragen. Diese Arbeit erforderte allerdings weniger Kraft, als ich zu Anfang gedacht hatte. Vielmehr bedeutete es, die Behinderten zu verstehen und ihre Wünsche gewissermaßen von ihren Augen abzulesen. Oftmals reichte eine Berührung, das Streicheln der Hände oder die alleinige Aufmerksamkeit, um unsere uns anvertrauten Personen zu beruhigen, wenn sie merkten, dass wir uns nicht allein auf sie konzentrierten oder für längere Zeit an einem Ort verweilten. ... Eines war bei jedem gleich, sie freuten sich über Dinge, die wir für selbstverständlich erachten würden. Diese Tatsache ließ alle nachdenklich werden, und führte schließlich zu dem Ergebnis, dass viele von uns versuchten, ihre Umwelt deutlicher wahrzunehmen und nicht nur oberflächlich durch die Gegend zu laufen.... Jeder Tag war anders, wir hatten zwar immer dieselbe Aufgabe, aber es war auch immer wieder eine neue Herausforderung."

Alice Harzmann, 11b, Katharinenhof





"Das einzige, was mich erstaunt hat, war, dass ich nach
dem ersten Tag weder unsicher noch betroffen war...
ich lernte alles kennen, die Art und Weise, wie sie sich
ausdrückten, was sie mochten, was sie hassten usw."

Jenny Knorr, 11b, Martinshof




"Besonders berührt haben mich die Einzelschicksale der Bewohner, wenn man sich z.B. einmal überlegt, dass einer der Bewohner - sein Name war Klaus - als Kind vom Wickeltisch gefallen war und seitdem mehrfach schwerstbehindert ist... er kann nichts mehr allein tun, nicht sprechen, nicht essen, nicht laufen... . Ich habe gerlernt, keine Angst mehr zu haben vor Menschen, die anders sind als wir, d.h. die eine schwere Behinderung haben... . Es kostet nur einen Augenblick, und man spürt die Dankbarkeit dieser Menschen... . Es sollte noch mehr Möglichkeiten geben, mit behinderten Menschen am normalen Leben teilzunehmen..."

Kay Wischer, 11b, Katharinenhof



"Diese Menschen haben eine ungeheure Geduld,
sie können auch sehr viel Glück empfinden -
ich habe mein Leben schätzen gelernt,
so wie es ist und wie ich es gestalten kann..."

Melanie Steinborn, 11b, Katharinenhof



"Für Menschen mit einer Behinderung ist es nicht egal, ob jeder Tag eine Qual ist, denn sie leben heute und jetzt und haben genau wie wir ein Recht auf Freude und Spaß am Leben. Vielleicht wird im Himmel ja wirklich eine neue Gleichung aufgestellt und von daher ist es vielleicht nicht wichtig, wie es uns jetzt geht, wie und wo wir leben, da es für uns nur eine kurze bestimmte Zeit auf Erden gibt, aber diese Zeit auf Erden sollte für jeden so angenehm und fröhlich gestaltet werden, wie nur möglich, egal ob man eine Behinderung hat oder nicht."

Alice Harzmann, 11b, Katharinenhof







Fotos / Martinshof: Wolfgang Edel /
Bildbearbeitung webmaster
Fotos von den teilnehmenden Gruppen


zurück zur SEK II





nach oben