Ansprache im Rahmen der Trauerfeier
für Herrn Siebold am 23.11.2002

Sehr geehrte Frau Siebold, sehr geehrte Familie Siebold, meine Damen und Herren!

Wir trauern mit der Familie um Herrn Siebold.

Ein bewegendes und bewegtes Leben ist zu Ende gegangen. Gestatten Sie mir ein paar Worte der Erinnerung und des Dankes an Herrn Siebold als Pädagogen, Lehrer und Schulleiter der Ev. Schule Neukölln. Ich tue dies im Namen der gesamten Schule und der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg, insbesondere des Referats für evangelische Schulen.

Herr Siebold hat die Fächer Deutsch, Religion und Sport unterrichtet und war von 1985-1995 Schulleiter der ESN, also mein unmittelbarer Vorgänger. In den Gesprächen mit Kollegen/innen, die in dieser Zeit an der ESN waren, hat sich für mich Folgendes gezeigt: Herr Siebold hat vieles bewegt und angestoßen, er hatte neue Ideen; Resignation war nicht seine Sache, er hat Kollegen/innen und Eltern dabei mitnehmen und anstecken können: Herr Siebold gründete mit Herrn Prof. Manegold den Förderverein der ESN, der bis heute eine wichtige Funktion für die ESN hat. Sein jetziger Vorsitzende ist leider heute verhindert. Er hat mich gebeten, den Dank für diese Arbeit an Sie weiterzugeben.
Herr Siebold hat durch Verstärkung der Gremienarbeit die demokratischen Strukturen ausgebaut, z.B. durch Schaffung des Koordinatorenamtes als Ergänzung und Beratung der Schulleitung, so dass sich so etwas wie eine erweiterte Schulleitung ergab. Der jetzige Schulleiter und die ganze ESN profitieren bis heute von dieser Einrichtung: Vertrauen, größere Transparenz und wenige Reibungsverluste haben eine gute Gemeinschaft zwischen Leitung und Lehrerschaft ermöglicht.
Herr Siebold hat sich immer mit großer Energie für die Sek II an der ESN eingesetzt. Die Idee, das Schüler/innen in Neukölln von der 1. Klasse bis zum Abitur auf eine ev. Schule gehen können, hat ihn bis zu seinem Tode fasziniert. Die Gespräche, die ich mit ihm in den letzten Jahren führte, begannen fast immer mit dem Satz: "Was machen die Pläne zur Sek II?" Noch in einem Brief der Schulleitung zu seinem letzten Geburtstag am 4.11. haben wir ihm den neusten Stand mitgeteilt.
Herr Siebold war ein engagierter Streiter für die Gesamtschulidee, d.h. für die gemeinsame Erziehung und Bildung in leistungsdifferenzierten und inhomogenen Lerngruppen, um größere Chancengleichheit herzustellen. Sein Verhältnis zu den Sekretärinnen und zum Hausmeisterehepaar war sachbezogen, entspannt und freundschaftlich. Herr Siebold hat - in Allem getragen von einem festen Gottvertrauen - immer wieder Anstöße zur schärferen Ausprägung des christlichen Profils der Schule gegeben. Darin war er allen ein großes Vorbild.
Es gab natürlich auch Auseinandersetzungen - auch mit dem Schulamt. Er hat sie nicht gescheut. Er hatte auch Kanten, an denen man sich stoßen konnte und musste. Unbestritten ist aber, dass er mit großer Ernsthaftigkeit und gewisser Leichtigkeit - das sind keine Gegensätze - sein Amt ausgeübt hat.
Sein Verhältnis zu den Schülern war getragen von einem profunden und anschaulichem Unterricht und einer großen Nähe und herzensguten Freundlichkeit und Fröhlichkeit, auch und gerade zu den schwachen Schüler/innen. In dem Gästebuch unserer Internetseite hat ein ehemaliger Schüler das so zusammengefasst: "Herr Siebold wird mir durch seine Fairness als Lehrer und seine grenzenlose Liebe zu Gott immer in Erinnerung bleiben." Nach seiner Pensionierung hat Herr Siebold mit dem bekannten Engagement den deutsch-rumänischen Schüleraustausch zwischen der deutschen Schule in Klausenburg und der ESN initiiert und ihn mit teilnehmendem Interesse und finanzieller Unterstützung durch die Deutsch-Rumänische Gesellschaft gefördert. Die ESN ist ihm auch darin zu tiefen Dank verpflichtet.



Wir trauern um unseren langjährigen Leiter unserer Schule, Herrn Siebold


Schließlich ein persönliches Wort: In den zahlreichen Begegnungen zwischen Herrn Siebold und mir habe ich neben seiner Freundlichkeit seine unendliche - so schien es jedenfalls - Lebensenergie, seine Lebensfreude und seinen Lebensmut bewundern können. Und nun hat Gott dieses kraftvolle Leben so schmerzlich enden lassen. Wir stehen ratlos und trauernd. Ratlos und tränenreich vor der Warum-Frage, vielleicht nur getragen von der ewigen Hoffnung des Monatsspruches für November "Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein!" (Offenbarung 21,4)

Gott segne den Verstorbenen,
seine Gattin und die ganze Familie!
Amen

Harald Iber