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Sehr
geehrte Frau Siebold, sehr geehrte Familie Siebold, meine
Damen und Herren!
Wir
trauern mit der Familie um Herrn Siebold.
Ein bewegendes und bewegtes Leben ist zu Ende gegangen.
Gestatten Sie mir ein paar Worte der Erinnerung und des
Dankes an Herrn Siebold als Pädagogen, Lehrer und Schulleiter
der Ev. Schule Neukölln. Ich tue dies im Namen der
gesamten Schule und der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg,
insbesondere des Referats für evangelische Schulen.
Herr
Siebold hat die Fächer Deutsch, Religion und Sport
unterrichtet und war von 1985-1995 Schulleiter der ESN,
also mein unmittelbarer Vorgänger. In den Gesprächen
mit Kollegen/innen, die in dieser Zeit an der ESN waren,
hat sich für mich Folgendes gezeigt: Herr Siebold hat
vieles bewegt und angestoßen, er hatte neue Ideen;
Resignation war nicht seine Sache, er hat Kollegen/innen
und Eltern dabei mitnehmen und anstecken können: Herr
Siebold gründete mit Herrn Prof. Manegold den Förderverein
der ESN, der bis heute eine wichtige Funktion für die
ESN hat. Sein jetziger Vorsitzende ist leider heute verhindert.
Er hat mich gebeten, den Dank für diese Arbeit an Sie
weiterzugeben.
Herr Siebold hat durch Verstärkung der Gremienarbeit
die demokratischen Strukturen ausgebaut, z.B. durch Schaffung
des Koordinatorenamtes als Ergänzung und Beratung der
Schulleitung, so dass sich so etwas wie eine erweiterte
Schulleitung ergab. Der jetzige Schulleiter und die ganze
ESN profitieren bis heute von dieser Einrichtung: Vertrauen,
größere Transparenz und wenige Reibungsverluste
haben eine gute Gemeinschaft zwischen Leitung und Lehrerschaft
ermöglicht.
Herr Siebold hat sich immer mit großer Energie für
die Sek II an der ESN eingesetzt. Die Idee, das Schüler/innen
in Neukölln von der 1. Klasse bis zum Abitur auf eine
ev. Schule gehen können, hat ihn bis zu seinem Tode
fasziniert. Die Gespräche, die ich mit ihm in den letzten
Jahren führte, begannen fast immer mit dem Satz: "Was
machen die Pläne zur Sek II?" Noch in einem Brief
der Schulleitung zu seinem letzten Geburtstag am 4.11. haben
wir ihm den neusten Stand mitgeteilt.
Herr Siebold war ein engagierter Streiter für die Gesamtschulidee,
d.h. für die gemeinsame Erziehung und Bildung in leistungsdifferenzierten
und inhomogenen Lerngruppen, um größere Chancengleichheit
herzustellen. Sein Verhältnis zu den Sekretärinnen
und zum Hausmeisterehepaar war sachbezogen, entspannt und
freundschaftlich. Herr Siebold hat - in Allem getragen von
einem festen Gottvertrauen - immer wieder Anstöße
zur schärferen Ausprägung des christlichen Profils
der Schule gegeben. Darin war er allen ein großes
Vorbild.
Es gab natürlich auch Auseinandersetzungen - auch mit
dem Schulamt. Er hat sie nicht gescheut. Er hatte auch Kanten,
an denen man sich stoßen konnte und musste. Unbestritten
ist aber, dass er mit großer Ernsthaftigkeit und gewisser
Leichtigkeit - das sind keine Gegensätze - sein Amt
ausgeübt hat.
Sein Verhältnis zu den Schülern war getragen von
einem profunden und anschaulichem Unterricht und einer großen
Nähe und herzensguten Freundlichkeit und Fröhlichkeit,
auch und gerade zu den schwachen Schüler/innen. In
dem Gästebuch unserer Internetseite hat ein ehemaliger
Schüler das so zusammengefasst: "Herr Siebold
wird mir durch seine Fairness als Lehrer und seine grenzenlose
Liebe zu Gott immer in Erinnerung bleiben." Nach seiner
Pensionierung hat Herr Siebold mit dem bekannten Engagement
den deutsch-rumänischen Schüleraustausch zwischen
der deutschen Schule in Klausenburg und der ESN initiiert
und ihn mit teilnehmendem Interesse und finanzieller Unterstützung
durch die Deutsch-Rumänische Gesellschaft gefördert.
Die ESN ist ihm auch darin zu tiefen Dank verpflichtet.

Wir
trauern um unseren langjährigen Leiter unserer Schule,
Herrn Siebold
Schließlich ein persönliches Wort: In den zahlreichen
Begegnungen zwischen Herrn Siebold und mir habe ich neben
seiner Freundlichkeit seine unendliche - so schien es jedenfalls
- Lebensenergie, seine Lebensfreude und seinen Lebensmut
bewundern können. Und nun hat Gott dieses kraftvolle
Leben so schmerzlich enden lassen. Wir stehen ratlos und
trauernd. Ratlos und tränenreich vor der Warum-Frage,
vielleicht nur getragen von der ewigen Hoffnung des Monatsspruches
für November "Und Gott wird abwischen alle Tränen
von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein!"
(Offenbarung 21,4)
Gott
segne den Verstorbenen,
seine Gattin und die ganze Familie!
Amen
Harald
Iber |