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Sehr
geehrter Herr Iber,
Schüler
und Schülerinnen aus 17 Familien waren durch
das Elbe-Hochwasser unmittelbar betroffen, sechs Kinder
davon besonders schwer. Für die besonders arg
geschädigten Familien möchten wir das Schulgeld
für die kommenden zwölf Monate aussetzen.
Wir sind dazu aber nur in der Lage, wenn die dadurch
entstehenden Mindereinnahmen von 540 € je Schüler
durch Spenden ausgeglichen werden können.
Ich danke Ihnen, dass Sie sich an Ihrer Schule dafür
einsetzen, dass den Familien an dieser Stelle geholfen
werden kann. ( ... )
In der Anlage sende ich Ihnen einige Bilder aus der
unmittelbaren Umgebung des Dorfes Röderau-Süd.
Mit herzlichen Grüßen Ihr Eckhard Klabunde,
Superintendent und Vorsitzender des Schulvereins
26.9.02
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Erlebnisse
eines Besuchs vor Ort
Der Abzweig
Röderau im Herbst 2002
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Wohnhäuser
sind für Monate nicht bewohnbar und müssen
aufwändig und mit viel Einsatz saniert werden
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Einmal
Riesa und zurück
Ein wenig aufgeregt waren wir schon, als wir vor
der Trinitatisschule in Riesa standen. Wir, das
waren Simone und Simon aus der 4b, unsere Schülersprecherin
Nadin (10b), Frau Stricker, Herr Iber und ich. Unsere
Sorge, wir könnten doch ungelegen kommen, eindringen
in eine Gemeinschaft, die sich erst langsam von
schweren Problemen zu erholen beginnt und deshalb
keinen Besuch gebrauchen kann, diese unausgesprochenen
Befürchtungen haben sich sehr schnell verflüchtigt:
Wir wurden überaus herzlich und offen empfangen.
Die Schulleiterin, Frau Richter, stellte uns den
Kolleginnen vor und man zeigte uns die noch kleine,
im Wachsen begriffene Schule. Vier Grundschulklassen
(1-4) gibt es bislang, untergebracht in einem städtischen
Schulgebäude, einem Gebäudetyp, den man
überall in den neuen Bundesländern findet:
von außen wenig einladend, funktional, stereotyp.
Völlig anders dann die Atmosphäre im Innern:
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten
in hell und freundlich gestrichenen Klassenräumen,
die liebevoll und farbenfroh gestaltet sind, die
Möblierung ist neu ... Man könnte neidisch
werden!
Nach der Mittagspause wurden wir den Klassen zugeteilt.
Julia und Julius gingen mit Herrn Iber in die Vierte.
Für jeden Schüler hatten sie einen oder
sogar zwei Briefe mitgebracht, den unsere Viertklässler
geschrieben hatten. Auch Frau Stricker hatte Post
von ihrer Klasse mitgebracht. Viele Fragen mussten
beantwortet werden, für normalen Unterricht
war da keine Zeit. Nadin und ich durften bei Frau
Clauß in der zweiten Klasse Mäuschen
spielen. Sprechsilben mussten erkannt werden: "Ha-sel-nuss,
Na-sen-bär, Gän-gu-ru" "Sehr
schön Werner", lobte die Klassenlehrerin,
"aber wir sagen: Kän-gu-ru!"
Aha, wir waren in Sachsen. Werner, der neben mir
saß, ist ein flotter Arbeiter. Da er mit seinen
Aufgaben fertig wurde, noch ehe das Rasseln der
Eieruhr das Ende der Stillarbeitsphase ankündigte,
konnte er mir noch manches aus seinem Ordner zeigen
und erklären. Dann hatten Nadin und ich Gelegenheit,
den Brief, den wir von unserer 2b mitgebracht hatten,
vorzulesen.
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Schüler der ESN
zu Besuch in Riesa: Grundschüler und Nadin
(Schulsprecherin)
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Viele
Fragen wurden gestellt: "War eure Schule vom
Hochwasser bedroht?" "Habt ihr noch immer
unter den Folgen der Flut zu leiden?" Die zweite
Klasse der Trinitatisschule und Frau Clauß
versprachen, die Fragen in einem Brief zu beantworten.
Nun wurde es feierlich, die Reden: Frau Richter
bedankte sich im Namen ihrer Schule, der Superintendent,
Herr Klabunde, im Namen seines Kirchenkreises für
die geleistet Solidarität und Hilfe. Nach kurzen
Worten unseres Schulleiters berichteten unsere Schüler
von ihrer Arbeit bei Opa und Tante, in Gemeinden,
Kitas und Betrieben. 7.910 € haben sie in zwei
Tagen durch ihre Arbeit zusammengetragen, eine stolze
Summe, nicht nur für Neuköllner Verhältnisse! |
Evangelische
Schule
Neukölln in Riesa
Herr Klabunde
und Direktor Dr. Iber
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Nun
wurde es ernst, die Spendenübergabe: Julia,
Julius und Nadin übergaben als Vertreter der
Schülerschaft den anwesenden Eltern und ihren
Kindern den mit einer Rose geschmückten Briefumschlag
mit der Geldspende. Für die Kinder hatte Frau
Stricker noch einen Schkoladenkoffer aus Berlin
beigelegt. Die Dankbarkeit und auch Rührung
der Empfänger war beeindruckend. Dann fingen
sie an, von den Ereignissen und ihrem Schicksal
zu erzählen: Von dem Wasser, das überraschend
schnell stieg - von den im Stall angebundenen Tieren,
die zu ertrinken drohten. Anschaulich schilderten
sie den Augenblick, in dem sie alles zurücklassen
mussten, Möbel, Andenken, auch Haustiere -
und in dem sie nicht wussten als der Hubschrauber
sie in Sicherheit brachte, ob sie je zurückkehren
könnten. Zwei Familien wohnen noch immer nicht
in ihren Häusern, die statischen Gutachten
sind noch nicht abgeschlossen, es herrscht Einsturzgefahr.
So leben sie bei Verwandten, beengt und ohne eigene
Wohnung - als Gast. |
Evangelische
Schule
Neukölln in Riesa
Besonders
hart traf es diese Familie, die nach der Flutkatastrophe
ihr Haus für 6 Monate nicht benutzen konnte
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Nun
wurde es fröhlich, das Büfett. Suppe,
Nudelsalat, Würstchen - für das leibliche
Wohl war gesorgt. Jetzt wurde nachgefragt und ungezwungen
geplaudert. Das Geld könne er dringend gebrauchen,
sein Haus müsse wohl abgerissen werden, der
Staat helfe großzügig, aber das erforderliche
Eigenkapital stehe ihm noch nicht zur Verfügung.
"Dafür brauche ich jeden Euro!",
gesteht mir ein Vater und zeigt auf den Umschlag
mit dem Spendengeld. Er sei sehr von der Aktion
unserer Schule sehr beeindruckt, ganz besonders
als er gehört habe, dass unsere Schülerinnen
und Schüler meist nicht zu den Wohlhabenden
gehörten. "Viele von uns müssen von
vorn anfangen. Das kostet viel Geld, aber auch Mut.
Die Hilfsbereitschaft, die wir von vielen Seiten
erfahren haben, die gibt uns die Kraft weiterzumachen."
Die Verabschiedung war herzlich. Man will in Kontakt
bleiben, sich nicht aus den Augen verlieren, so
die Vorsätze für die Zukunft. |
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Gott
sei Dank konnte das Vieh gerettet werden |
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Während
der Rückfahrt im Auto wussten wir, dass das ein
guter Tag für uns war. Es gibt Augenblicke, in
denen bin ich dankbar, Lehrer - und ganz besonders
Lehrer an der ESN - sein zu dürfen. Dies war
so ein Moment!
Klaus-Randolf Weiser Fotos
wurden uns von dem Evangelischen Schulzentrum, Riesa,
bzw. Herrn Klabunde zur Verfügung gestellt |
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