Ein
Tag in Auschwitz
Sandra
Branisavljevic - 10c
Unsere
Schule veranstaltete jedes Jahr eine Fahrt nach Auschwitz.
In Auschwitz, so sagten die Lehrer es uns, würden wir
die Geschehnisse des 2.Weltkriegs viel besser verstehen,
als wenn sie es uns nur in der Schule mit Filmen, Büchern
und Zeitungsausschnitten erklären. Wir würden
vor Ort erfahren, wie die Juden in den Konzentrationslagern
gelebt haben und was für eine schwere Arbeit sie jeden
Tag vollbracht haben. Ich freute mich auf Auschwitz, denn
ich habe mich schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigt.
Im Fernsehen habe ich mir Reportagen über die überlebenden
Juden, die aus den Konzentrationslagern geflüchtet
sind, angeguckt und den Film Schindlers Liste gesehen.
Als wir nach Auschwitz fuhren, überkam mich der Gedanke,
dass genau auf den Schienen, wo wir mit unserem bequemen
Personenzug fahren, vor etwa 60 Jahren die Juden in Güterzügen
transportiert wurden. Im Gegensatz zu uns mussten sie stehen
und das auf kleinstem Raum. (...)
Wir liefen nun zum Eingang des Lagers. Das Lager war umgeben
von gedoppeltem, damals unter Starkstrom stehendem Stacheldrahtzaun.
Wir blieben vor dem Eingangstor stehen und lasen uns die
zynischen Wörter "Arbeit macht frei". Nachdem
ich es gelesen hatte, versuchte ich mich in die damalige
Zeit zu versetzten, wie die Juden Tag ein Tag aus durch
dieses Tor marschieren mussten. Sie dachten, je fleißiger
sie arbeiten desto besser würde es ihnen gehen, das
war aber nicht der Fall. Die meisten hielten es nicht mehr
als drei Monate aus, manche sind sogar gleich nach der Ankunft
gestorben. Wir gingen nun ins Stammlager hinein, die Museumsführerin
erzählte uns, dass das Lager aus 28 einstöckige
Baracken besteht. Wir besichtigten einige von den Baracken.
In denen konnte man z.B. die Schlafplätze sehen, die
nur aus Stroh und Kartoffelsäcken bestanden, später
dann aus Hochbetten um Platz zu sparen. In einer anderen
Baracke sahen wir einen Berg voller Schuhe oder Töpfe,
Koffer, Beinprothesen, Haare und noch andere persönliche
Gegenstände. Als ich davor stand, dachte ich daran,
wenn man mir alle persönlichen Gegenstände, die
ich besitze, einfach wegnehmen würde, so würde
ich versuchen, es zu verhindern, auch wenn es scheitern
sollte. (...)
Nun gingen wir weiter zu der Erschießungswand im Hof
von Block 11, dort wurden Juden zu viert oder fünft
hintereinander gestellt und von den SS-Männern erschossen.
Ich denke das die SS-Männer angetrunken waren oder
sogar besoffen, denn man kann nicht einfach so einen Menschen
töten. Zur Erinnerung an die erschossenen Menschen
haben wir eine Schweigeminute eingelegt.
Danach gingen wir weiter zu der ersten Gaskammer und dem
ersten Krematorium. In die Gaskammer passten 100 Menschen,
sie dachten, es seien normale Duschen, doch das waren sie
nicht. Sie wurden durch Einleitung von Kohlenmonoxid, später
dann mit Zyklus B ermordet. (...)
Wir begaben uns dann zum Bus zurück, der uns nach Birkenau
bzw. Auschwitz 2 gefahren hat. Als wir ankamen, dachte ich,
dass Birkenau kleiner sei als das Stammlager, aber ich irrte
mich. Als wir auf dem Hauptwachturm der damaligen SS- Männer
standen, haben wir ganz Birkenau gesehen und es war vierfach
so groß als Auschwitz 1. (...)
Wir gingen weiter zu den Gaskammern und den gesprengten
Krematorien, es war extrem kalt. Ich dachte nur daran, wenn
mir schon kalt ist, dabei hatte ich eine dicke Jacke an
und feste Schuhe, wie erging es dann den Juden, die bloß
einen dünnen Fetzen Stoff anhatten und das in allen
Jahreszeiten. Jedenfalls kamen wir zu den Gaskammern und
den Krematorien, die aber nach dem Krieg von den Deutschen
gesprengt wurden sind. Es war grausam allein daran zu denken,
dass ich vor einer Gaskammer stand, wo man mehrere 1000
Menschen vergast hat und anschließend in den Krematorien
verbrannt hat, das ist einfach unvorstellbar. Das Ende unseres
Besuches in Auschwitz war der Teich der hinter den Krematorien
lag. Zu diesem Teich wurde uns erzählt, dass die ganze
Asche, die sich in den 2 Jahren angesammelt hat, dort befindet.
Der Teich war für mich der Höhepunkt des Tages,
denn über diesen Teich, so denke ich, schweben die
Seelen der getöteten Juden, die kein offizielles Begräbnis
hatten. Die Angehörigen der verstorbenen Juden kommen
noch regelmäßig nach Auschwitz und legen Blumen
vor das Tor. (...)
Ich stelle mir jedoch immer wieder die Frage, wie kam es
dazu, dass so ein mächtiges Land, damit meine ich Deutschland,
einen Menschen wie Hitler an die Macht lässt? Kann
so etwas nochmals in der Geschichte vorkommen, wird es ein
Auschwitz noch mal geben?
"Auschwitz wurde nicht zerstört, sondern nur geschlossen!",
diese Aussage lässt mich nachdenklich werden. Wer weiß
schon, ob es auf dieser Welt irgendwelche Psychopathen gibt,
die diese grausamen Taten wiederholen werden, nur weil sie
mit einer Gruppe von Menschen nicht auskommen wollen.

Sascha Koch - 10c
(...)
Wir sahen uns diesen Teich an und legten einige Minuten
des Gedenkens ein. Unsere Führung sagte noch ein paar
abschließende Worte. Danach verließen wir stillschweigend
den größten Friedhof der Welt. Im Bus, auf dem
Weg zu unserem Hotel, realisierte ich erst richtig, was
ich gerade besichtigt hatte und war tief betroffen.
Janine
Hirte - 10a
(...)
Wir machten vor einem Gedenkstein halt, wo Herr Weiser ein
Gebet sprach und wir eine Gedenkminute hielten, danach beteten
wir gemeinsam das Vaterunser. Einige wenige der Schüler
fanden dies alles anscheinend belustigend und kicherten.
Dies fand ich sehr unfair den anderen gegenüber, denn
ich fand das alles sehr ergreifend und mir hat diese Gedenkminute
sehr gut getan. (...)
Ich kann über das, was ich gesehen habe, eigentlich
nicht viel sagen, denn ich kann meine Gefühle und Empfindungen
nicht in Worte fassen. Ich kann nur sagen, dass es für
mich eine "relativ gute" Erfahrung war, dies alles
zu sehen und darüber noch mehr zu erfahren.
Trotzdem war es für mich schwer zu verstehen und ich
brauchte auch einige Zeit für mich alleine, um mich
mit diesem Thema auseinanderzusetzen, denn es hat mich doch
sehr bedrückt und irgendwie traurig gemacht.
Diese Fahrten, so denke ich, sollte man in Zukunft weiterhin
machen, denn die was sehen und erfahren wollen, kriegen
damit ihre Chance.

Sharon
Alpern - 10a
(...)
Am Bus angekommen haben wir uns bei unserer Führerin
bedankt und uns verabschiedet, wir stiegen dann in den Bus
und fuhren zurück ins Hotel. Es war sehr still auf
der Rücktour. Manche schliefen ein, weil sie so kaputt
von dem Tag waren, andere wiederum unterhielten sich und
tauschten Meinungen aus, wie sie den Tag empfunden haben.
Aber es gab auch welche, die allein für sich erst einmal
den Tag hinter sich bringen wollten.
Im Hotel versammelten wir uns alle im Gemeinschaftsraum
und sprachen über den heutigen Tag. Es hatten viele
verschiedene Meinungen und manche konnten es auch nicht
verstehen, warumman diese Meinung hatte, aber es gab auch
welche, die nichts gesagt haben und lieber nur zuhörten.
Als wir dann den Tag hinter uns gebracht haben, war es für
manche wie eine Erlösung. |