Gedenkstättenfahrt des 10. Jahrgangs nach Auschwitz
November 200
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Fürchte dich nicht vor deinen Feinden,
im schlimmsten Fall können sie dich töten.
Fürchte dich nicht vor deinen Freunden,
im schlimmsten Fall können sie dich verraten.
Fürchte dich vor den Gleichgültigen,
weder töten und verraten sie,
aber nur mit ihrer stillschweigenden Zustimmung
gibt es auf der Welt Mord und Verrat.

Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und der Vernichtung der europäischen Juden nimmt im Gesellschaftskundeunterricht der 10. Klassen traditionell einen breiten Raum ein. Fächerübergreifender Unterricht im Rahmen eines mehrtägigen Projektes, der Besuch eines Zeitzeugen und die Gedenkstättenfahrt, meist nach Auschwitz, gehören mittlerweile zum pädagogischen Profil unserer Schule.
Oft müssen die Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs gegenüber den Eltern und Schülern Überzeugungsarbeit leisten, es gilt Vorbehalte und auch Berührungsängste abzubauen. Der Erfolg der Fahrten rechtfertigte noch immer den Aufwand: Alle Schülerinnen und Schüler bewerteten ihren Besuch in Auschwitz als eine für sie wesentliche Erfahrung und als Chance, bewusster und selbstsicherer mit dem Erbe ihrer Geschichte umzugehen.

Die folgenden Textausschnitte sollen davon einen Eindruck vermitteln.

Weiser

Ein Tag in Auschwitz

Sandra Branisavljevic - 10c

Unsere Schule veranstaltete jedes Jahr eine Fahrt nach Auschwitz. In Auschwitz, so sagten die Lehrer es uns, würden wir die Geschehnisse des 2.Weltkriegs viel besser verstehen, als wenn sie es uns nur in der Schule mit Filmen, Büchern und Zeitungsausschnitten erklären. Wir würden vor Ort erfahren, wie die Juden in den Konzentrationslagern gelebt haben und was für eine schwere Arbeit sie jeden Tag vollbracht haben. Ich freute mich auf Auschwitz, denn ich habe mich schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigt. Im Fernsehen habe ich mir Reportagen über die überlebenden Juden, die aus den Konzentrationslagern geflüchtet sind, angeguckt und den Film Schindlers Liste gesehen.
Als wir nach Auschwitz fuhren, überkam mich der Gedanke, dass genau auf den Schienen, wo wir mit unserem bequemen Personenzug fahren, vor etwa 60 Jahren die Juden in Güterzügen transportiert wurden. Im Gegensatz zu uns mussten sie stehen und das auf kleinstem Raum. (...)
Wir liefen nun zum Eingang des Lagers. Das Lager war umgeben von gedoppeltem, damals unter Starkstrom stehendem Stacheldrahtzaun. Wir blieben vor dem Eingangstor stehen und lasen uns die zynischen Wörter "Arbeit macht frei". Nachdem ich es gelesen hatte, versuchte ich mich in die damalige Zeit zu versetzten, wie die Juden Tag ein Tag aus durch dieses Tor marschieren mussten. Sie dachten, je fleißiger sie arbeiten desto besser würde es ihnen gehen, das war aber nicht der Fall. Die meisten hielten es nicht mehr als drei Monate aus, manche sind sogar gleich nach der Ankunft gestorben. Wir gingen nun ins Stammlager hinein, die Museumsführerin erzählte uns, dass das Lager aus 28 einstöckige Baracken besteht. Wir besichtigten einige von den Baracken. In denen konnte man z.B. die Schlafplätze sehen, die nur aus Stroh und Kartoffelsäcken bestanden, später dann aus Hochbetten um Platz zu sparen. In einer anderen Baracke sahen wir einen Berg voller Schuhe oder Töpfe, Koffer, Beinprothesen, Haare und noch andere persönliche Gegenstände. Als ich davor stand, dachte ich daran, wenn man mir alle persönlichen Gegenstände, die ich besitze, einfach wegnehmen würde, so würde ich versuchen, es zu verhindern, auch wenn es scheitern sollte. (...)
Nun gingen wir weiter zu der Erschießungswand im Hof von Block 11, dort wurden Juden zu viert oder fünft hintereinander gestellt und von den SS-Männern erschossen. Ich denke das die SS-Männer angetrunken waren oder sogar besoffen, denn man kann nicht einfach so einen Menschen töten. Zur Erinnerung an die erschossenen Menschen haben wir eine Schweigeminute eingelegt.
Danach gingen wir weiter zu der ersten Gaskammer und dem ersten Krematorium. In die Gaskammer passten 100 Menschen, sie dachten, es seien normale Duschen, doch das waren sie nicht. Sie wurden durch Einleitung von Kohlenmonoxid, später dann mit Zyklus B ermordet. (...)
Wir begaben uns dann zum Bus zurück, der uns nach Birkenau bzw. Auschwitz 2 gefahren hat. Als wir ankamen, dachte ich, dass Birkenau kleiner sei als das Stammlager, aber ich irrte mich. Als wir auf dem Hauptwachturm der damaligen SS- Männer standen, haben wir ganz Birkenau gesehen und es war vierfach so groß als Auschwitz 1. (...)
Wir gingen weiter zu den Gaskammern und den gesprengten Krematorien, es war extrem kalt. Ich dachte nur daran, wenn mir schon kalt ist, dabei hatte ich eine dicke Jacke an und feste Schuhe, wie erging es dann den Juden, die bloß einen dünnen Fetzen Stoff anhatten und das in allen Jahreszeiten. Jedenfalls kamen wir zu den Gaskammern und den Krematorien, die aber nach dem Krieg von den Deutschen gesprengt wurden sind. Es war grausam allein daran zu denken, dass ich vor einer Gaskammer stand, wo man mehrere 1000 Menschen vergast hat und anschließend in den Krematorien verbrannt hat, das ist einfach unvorstellbar. Das Ende unseres Besuches in Auschwitz war der Teich der hinter den Krematorien lag. Zu diesem Teich wurde uns erzählt, dass die ganze Asche, die sich in den 2 Jahren angesammelt hat, dort befindet. Der Teich war für mich der Höhepunkt des Tages, denn über diesen Teich, so denke ich, schweben die Seelen der getöteten Juden, die kein offizielles Begräbnis hatten. Die Angehörigen der verstorbenen Juden kommen noch regelmäßig nach Auschwitz und legen Blumen vor das Tor. (...)
Ich stelle mir jedoch immer wieder die Frage, wie kam es dazu, dass so ein mächtiges Land, damit meine ich Deutschland, einen Menschen wie Hitler an die Macht lässt? Kann so etwas nochmals in der Geschichte vorkommen, wird es ein Auschwitz noch mal geben?
"Auschwitz wurde nicht zerstört, sondern nur geschlossen!", diese Aussage lässt mich nachdenklich werden. Wer weiß schon, ob es auf dieser Welt irgendwelche Psychopathen gibt, die diese grausamen Taten wiederholen werden, nur weil sie mit einer Gruppe von Menschen nicht auskommen wollen.



Sascha Koch - 10c
(...)
Wir sahen uns diesen Teich an und legten einige Minuten des Gedenkens ein. Unsere Führung sagte noch ein paar abschließende Worte. Danach verließen wir stillschweigend den größten Friedhof der Welt. Im Bus, auf dem Weg zu unserem Hotel, realisierte ich erst richtig, was ich gerade besichtigt hatte und war tief betroffen.

Janine Hirte - 10a
(...)
Wir machten vor einem Gedenkstein halt, wo Herr Weiser ein Gebet sprach und wir eine Gedenkminute hielten, danach beteten wir gemeinsam das Vaterunser. Einige wenige der Schüler fanden dies alles anscheinend belustigend und kicherten. Dies fand ich sehr unfair den anderen gegenüber, denn ich fand das alles sehr ergreifend und mir hat diese Gedenkminute sehr gut getan. (...)
Ich kann über das, was ich gesehen habe, eigentlich nicht viel sagen, denn ich kann meine Gefühle und Empfindungen nicht in Worte fassen. Ich kann nur sagen, dass es für mich eine "relativ gute" Erfahrung war, dies alles zu sehen und darüber noch mehr zu erfahren.
Trotzdem war es für mich schwer zu verstehen und ich brauchte auch einige Zeit für mich alleine, um mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, denn es hat mich doch sehr bedrückt und irgendwie traurig gemacht.
Diese Fahrten, so denke ich, sollte man in Zukunft weiterhin machen, denn die was sehen und erfahren wollen, kriegen damit ihre Chance.

Sharon Alpern - 10a
(...)
Am Bus angekommen haben wir uns bei unserer Führerin bedankt und uns verabschiedet, wir stiegen dann in den Bus und fuhren zurück ins Hotel. Es war sehr still auf der Rücktour. Manche schliefen ein, weil sie so kaputt von dem Tag waren, andere wiederum unterhielten sich und tauschten Meinungen aus, wie sie den Tag empfunden haben. Aber es gab auch welche, die allein für sich erst einmal den Tag hinter sich bringen wollten.
Im Hotel versammelten wir uns alle im Gemeinschaftsraum und sprachen über den heutigen Tag. Es hatten viele verschiedene Meinungen und manche konnten es auch nicht verstehen, warumman diese Meinung hatte, aber es gab auch welche, die nichts gesagt haben und lieber nur zuhörten. Als wir dann den Tag hinter uns gebracht haben, war es für manche wie eine Erlösung.


Jeder hat diese Gedenkstättenfahrt anders empfunden und verkraftet. Doch ich glaube, auch wenn nicht alle gleicher Meinung waren, war es doch sehr gut und lehrreich, dass wir alle diese Fahrt gemacht haben und es war eine Fahrt, die man - glaub ich - immer in Erinnerung behält und sich noch oft daran zurück erinnern wird.






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